Hannah Arendt: eine Schule unter der Erde

Der Erweiterungsbau der Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Arendt in Bozen bildet ein raffiniertes Gegenstück zum darüberliegenden historischen Kreuzgang der Kapuziner. Die erste unterirdische Schule Italiens kann mit Enertour besichtigt werden.

Die Erweiterung der Landesfachschule für Sozialberufe Hannah Arendt in Bozen erforderte besonderes Fingerspitzengefühl: Da sie das wertvolle Erbe des Kapuzinerklosters mit seinem Kreuzgang aus dem 17. Jahrhundert nicht stören sollte, wurde sie schließlich als unterirdischer Bau realisiert. Was zunächst eine massive Einschränkung bedeutete, ist durch den raffinierten Entwurf des Bozner Studios Claudio Lucchin & Architetti Associati zur Attraktion geworden. Und dies allen Vorurteilen zum Trotz, denen unterirdische Bauten ausgesetzt sind.

Mit Sichtmauern, die die Umrisse der Baugrube nachzeichnen, zeigt das neue Gebäude seine besondere Beziehung zum umgebenden Erdreich. Obwohl die Schule fast vollständig unter der Oberfläche liegt, fängt die Dachkonstruktion mit gläsernen Flächen und Einschnitten viel Licht ein, das in die innenliegenden Unterrichtsräume umgelenkt wird und die geraden Linien, die Transparenz und die Geometrie des Gebäudes unterstreicht. Diesem Spiel mit natürlichem Licht, raffinierter künstlicher Beleuchtung, mit Ausblicken und der Plastizität der Räume ist es zu verdanken, dass nie das Gefühl aufkommt, in einem unterirdischen Raum gefangen zu sein.

Entscheidend für die harmonische Einbindung des Neubaus in das historische Ensemble des Kapuzinerklosters ist auch die symbolische Kontinuität zwischen Alt und Neu. Bot der Kreuzgang den Mönchen einst einen niemals endenden Spazierweg für Reflexion und Begegnung – einen offenen und doch geschützten Raum –, so nimmt auch der neue Schulbau diese Qualitäten in abgewandelter Form auf. Genau wie einst die Mönche gelangt man über einen zentralen Weg, der die verschiedenen Funktionsräume miteinander verbindet, zum Herzen des Gebäudes: dem großzügigen Lichthof, dessen Umriss exakt die Linien des früheren Kreuzgangs nachzeichnet.

Der 2013 fertiggestellte Erweiterungsbau wurde aus Stahlbeton mit einer Gebäudedämmung aus Polystyrolschaum und PS-Dämmplatten errichtet. Die Nutzfläche beträgt 2.030 m², ein Großteil der Kubatur (10.200 m³) liegt unter der Erde. Das Gebäude ist als KlimaHaus B klassifiziert.

Tatsächlich verfügt der unterirdische Erweiterungsbau der Schule neben seinen sonstigen Vorzügen auch über ein behagliches Raumklima. Außer den Faktoren natürliche Beleuchtung, Raumwirkung und Belüftung (über eine Lüftungsanlage, die viermal pro Stunde einen vollständigen Luftaustausch garantiert) musste der Entwurf vor allem ein Element berücksichtigen, das in unterirdischen Bauten meist kritisch ist: die Kontrolle von Luftfeuchtigkeit und Temperatur. Da die Räume auch im Winter gekühlt werden müssen, wurde eine reine Außenluft-Klimaanlage installiert. Die Frischluft wird in einer Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung (90 %) vorbehandelt; darüber hinaus verfügt die Anlage über ein eingebautes Kühlaggregat ohne Heizbatterie. Die gesamte Heizungsanlage wird über Raumtemperatursonden gesteuert und arbeitet mit niedrigen Vorlauftemperaturen unter 65 Grad Celsius, was den Energieverbrauch deutlich senkt.

 

                                                        Schule Hannah Arendt

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