Neues nachaltiges Stadtviertel Kaiserau

Besichtigungsobjekt enertour - Ziel der Gemeinde Bozen war es, im Stadtviertel „Kaiserau” konkrete Nachhaltigkeitsmaßnahmen auf urbaner Ebene umzusetzen.

Dazu zählten Maßnahmen im Energiebereich, eine gut durchdachte Mobilitätsplanung, die Verwaltung des Wassers und die Errichtung von Grünzonen.

Kaiserau bietet in 950 Wohnungen Platz für zirka 3000 Personen und befindet sich derzeit im Bau. Die ersten Gebäude wurden bereits im Jahr 2009 übergeben, das gesamte Viertel wird innerhalb 2012 komplett fertiggestellt sein.

Die Gemeinde selbst war zuständig für die Leitung und Ausführung dieses Maßnahmenplanes. Ziel war die Errichtung eines „Modellviertels“ anhand von Qualitäts- und Innovationskriterien. Dadurch konnte die Gemeinde spezifische und verpflichtende Normen definieren, die das Erreichen der städtebaulichen Ziele garantieren sollten.

Die Vorgehensweise sieht Aktionen auf mehreren Ebenen vor: vom städtebaulichen Konzept über das Energiekonzept bis hin zu den Architekturwettbewerben für die einzelnen Parzellen. Zur Projektierung des Plans wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Gewonnen hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die vom Amsterdamer Architekten Frits van Dongen koordiniert wurde. Das Projekt sieht den Bau von acht so genannten „Schlössern“ vor: diese bestehen aus jeweils drei bis vier Gebäuden, in deren Mitte befindet sich eine gemeinsam nutzbare Grünfläche. Eigentümer sind das Institut für den sozialen Wohnbau (WOBI) und einige private Genossenschaften. Im Verlauf der ersten sechs Monate hat die Gruppe, die sich mit der städtebaulichen Planung befasste, in Bozen sechs Workshops organisiert. An diesen nahmen Vertreter aus der Politik, Gemeindetechniker der Ämter, die für die Bereitstellung der Dienstleistungen zuständig waren, Vertreter des WOBI, der Genossenschaften und des Bezirksrates teil. Der Plan ließ der architektonischen und technologischen Entwicklung der einzelnen Maßnahmen einen wesentlichen Freiraum und wurde der Professionalität und dem Fingerspitzengefühl der Planer überlassen, die vom WOBI und den Genossenschaften beauftragt wurden.

Das Energiekonzept beinhaltet sowohl ein Fernheizwerksystem für das gesamte Viertel, das auch die Restwärme einer Müllverbrennungsanlage nutzt, als auch Energie-Leitlinien für die einzelnen Parzellen. Die Grenzen des Energiebedarfes der Gebäude zu Heizzwecken liegen etwa zwischen 30 und 50 kWh/m²a, abhängig von der Größe der einzelnen Gebäude. Um den Wert dieses Energiebedarfs einzuhalten, musste man an zwei Fronten agieren: erstens durch die Verringerung von Wärmeverlusten durch gute Isolierungen sowie durch eine kompakte und gleichmäßige Gebäudeform, die es erlaubt, das Volumen zu maximieren und die vergeudete Oberfläche zu minimieren. Zweitens sollte der Sonneneinfall durch die unterschiedliche Höhe der einzelnen Gebäude optimiert werden, sodass sie sich nicht gegenseitig Schatten werfen. So sind die Gebäude im Norden eines „Schlosses“ höher als jene im Süden. Geplant ist außerdem der Bau einer Fernkühlungsanlage. Eine Anlage, die vom Fernheizwärmenetz gespeist wird und sich in Schwerpunktposition befindet, wird nämlich dank Absorptionsmaschinen Kühlwasser produzieren. Dadurch bleibt die Rückgewinnung der Wärme aus der Müllverbrennungsanlage immer aktiv: im Winter zum Heizen und zur Produktion von warmem Sanitärwasser und im Sommer zur Produktion von warmem Sanitärwasser und zur Speisung der Absorptionsgefäße.

Innerhalb des Viertels wird sehr auf den Einsatz von erneuerbaren Energien gesetzt: so wird etwa die Sonnenenergie zur Produktion von warmem Sanitärwasser und Strom genutzt. Daneben nutz eines der „Schlösser“ auch Geothermie sowohl zur Kühlung des Gebäudes im Sommer als auch zur Erwärmung des warmen Sanitärwassers und der Heizung der Wohnungen im Winter. Dies geschieht durch eine Wärmepumpe, die die Erdwärme nutzt. Dieses energetische Gesamtkonzept ermöglicht – im Vergleich zu einem traditionell gebautem Viertel – eine Reduktion des Energieverbrauchs um etwa 65 Prozent.

Pläne bezüglich Mobilität sehen ein spezielles Maßnahmenpaket vor, das etwa die Verbindung des Fuß- und Radweges des Viertels mit jenem der Stadt Bozen, die Errichtung eines Bahnhofes auf der Bahnlinie Bozen-Meran und einer Autobus-Endstation in der Nähe des neuen Bahnhofs vorsieht. Der Bahnhof sollte so gebaut werden, dass er zu einem erkennbaren Anziehungspunkt und einen intermodalen Knoten für die Mobilität der gesamten Zone wird.

Das Nachhaltigkeitskonzept des Viertels sieht auch die Wiederverwendung von Regenwasser vor: dieses wird sowohl zu öffentlichen Zwecken (etwa für die Bewässerung) als auch privat (Bewässerung, WC-Spülungen) verwendet. Zudem besitzt jedes Gebäude ein grünes Dach.

Das Projekt Kaiserau wurde in die Kampagne SEE (Sustainable Energy Europe) des italienischen Umweltministeriums integriert; Gemeinde, Provinz und das Viertel selbst wurden als vorbildliches Beispiel auf nationaler Ebene anerkannt. Als beispielhaft gelten dabei die Implementierung von Maßnahmen auf dem Gebiet der Energieeffizienz, der Einsatz erneuerbarer Energieträger und die Reduzierung der CO2-Emissionen. In Zusammenhang mit der Durchführung der SEE-Kampagne in Italien soll als letzte konkrete Maßnahme im Zuge der Partnerschaft mit dem Umweltministerium auch der Energiekonsum überwacht werden. Die gesamte Datenerhebung wird vom Institut für Erneuerbare Energien der EURAC Bozen durchgeführt. Ziel ist die Analyse der tatsächlichen Energieleistungen und deren Vergleich mit den potenziellen Werten des Projekts, sowie des Komfortniveaus (Luftqualität, Temperatur, Feuchtigkeit) in einigen Musterwohnungen. Außerdem soll die Funktion der verschiedenen technologischen und bautechnischen Lösungen analysiert werden, die von den Planern eingesetzt wurden, um die angestrebten Leistungen auch zu erreichen. Dadurch können die Daten und die Erfahrungen, die im Projekt Kaiserau gesammelt werden, auch für zukünftige Projekte in Italien und Europa hergenommen werden. (Autor: Marco Castagna - EURAC Research, Institute for Renewable Energy)

Für die Besichtigung: enertour@tis.bz.it

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